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6-8 August 2010 - 16. Festiwal Slowian i Wikingow @ Wolin (PL) | Print |  E-mail
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Wolin 2010: Land unter!

 

Hintergrund: Wolin ist eine polnische Insel am Stettiner Haff, auf der laut lokalem Museum mehr als 50 wikingerzeitliche Burgen und zahlreiche Siedlungen und Gräber gefunden wurden. Im  Hauptort Wolin wird von vielen (vor allem von regionalen Forschern) das legendäre Jomsburg/Vineta vermutet. Auf einer der Stadt vorgelagerten kleinen Insel befindet sich das Freilichtmuseum („Skansen“), in dem das Festiwal Słowian i Wikingów heuer zum 16. Mal stattfand.

Zum Fest: „Wolin ist irgendwie wie heimkommen“. Die tolle Kulisse des Skansen und die großartige Atmosphäre, die durch Hunderte Darsteller vor allem aus Polen, Ukraine, Weißrussland, Skandinavien und Deutschland geschaffen wird, nimmt einen sofort für sich ein. Der Veranstalter stellt jedem Teilnehmer eine warme Mahlzeit täglich zur Verfügung (verschiedene Fleischspeisen, immer mit Kasza, dem nationalen Buschweizenbrei), der zentrale Gastrostand verkauft um eine Handvoll Złoty allerlei fetttriefende Leckereien. Die Dixiesiedlung ist auch bei regem Besucherverkehr zumeist in annehmbaren Zustand. Das Langhaus mit den Duschen befand sich heuer im Umbau: Anstelle von Europaletten auf festgetrampeltem Lehmboden entsteht im Inneren eine moderne Sanitäranlage – vielleicht nächstes Jahr sogar schon mit Warmwasser. Der Ort Wolin, in dem zeitgleich ein Volksfest mit lärmerregendem Spektakel stattfindet, ist während des Festes leicht über eine Pontonbrücke zu erreichen und bietet umfangreiche Einkaufsmöglichkeiten zur Selbstversorgung. Einkaufen ist in Wolin sowieso eines der Hauptthemen: Durch viele Händler aus den verschiedensten Ecken Europas bietet sich eine große Auswahl an schönen und hochwertigen Marktartikeln zu günstigen Preisen: Waffen, Rüstungen, Schmiede- und Schmuckwaren, Stickereien, Rohstoffe wie Wolle, Leinen, Leder, Felle, Rohhäute, Garne etc., eigentlich alles, was man so brauchen kann oder haben möchte. Eigene Erwähnung sollte noch der „Bosman“ finden, ein un-A-Bierstand außerhalb der Palisade, bei dem man sich bis in den frühen Morgen bei „Piwo s sokiem“ den Durst austreiben kann (und sollte). Das Festival bietet außerdem ein selbst für erfahrene Marktbesucher interessantes Rahmenprogramm: Bootsrennen und Seeschlachten mit Langbooten, einen Wettbewerb „um den würdigsten Bart“, Wikingerbegräbnis, Sagenerzählwettbewerb, verschiedenste Darbietungen und auch schöne alte Musik abseits von Amazing Grace, Palästinalied und Konsorten. 

Das heurige Jahr: Wolin ist nicht weit von Brandenburg. Und dort sind die Semnonen zu Hause, mit denen wir das Glück hatten, lagern zu dürfen. Damit ist schon viel gesagt: mit so überaus netten, zum Wegbrechen unterhaltsamen und auch gut organisierten Lagergenossen kann fast nichts mehr schief gehen. Fast nichts. Das Museum befindet sich auf einer sandigen Schilfinsel, die bei Regen regelrecht untergeht. In der Nacht auf Freitag kamen die ersten Schauer, freitags pünktlich zur ersten Schlacht die stärkeren Güsse. Obwohl es zwischendurch auch längere Trockenphasen gab, war der Boden Samstagabend allerorts am Ende seiner Aufnahmefähigkeit. Aus Erfahrung sage ich nun: Ein mehrere Zentimeter hoch unter Wasser stehendes Zelt kann selbst dem hartgesottensten Optimisten (zu denen ich mich nicht zähle) die Feierlaune verderben. Am Sonntag war den meisten klar, dass die Veranstaltung ein verfrühtes Ende gefunden hatte, ein Großteil der Darsteller begann ungeachtet der ausstehenden Besprechung der Lagerorganisation mit dem Abbau; die Feldschlacht wurde abgesagt. 

Die Kämpfe: Wolin ist legendär, was die Härte und den Einsatz bei den Schlachten betrifft. Heuer wurde eine Schlacht zu zwei Durchgängen pro Tag anberaumt. Das ist einerseits praktisch, weil man den Vormittag bis 15 Uhr für sich hat und sich nur einmal anrödeln braucht, aber andererseits recht enttäuschend – denn auch wenn die Gänge hier länger dauern als beispielsweise in Neustadt-Glewe wären fünf Durchgänge sicher machbar. Ärgerlich auch die ewigen Wartezeiten: in voller Montur halbstundenlang im Regen auf den Gegner zu warten macht so richtig Appetit auf Schläge austeilen. Ach ja: auf eine Kuschelrunde oder versöhnlichen Sturm auf Publikum wartet man in Wolin vergebens. Gekämpft wird angeblich nach Codex Belli + Kopftreffer, aber das ist halbwegs unerheblich, weil: die Army of Jomsborg bzw. Nordelag gewinnt ausnahmslos immer. Zu Boden geht der Getroffene im Normalfall nur wegen der Schmerzen oder weil er von mehreren Kontrahenten und Schiedsrichtern lautstark auf seinen Tod aufmerksam gemacht wird. Was aber noch nicht heißt, dass er dann liegen bleibt. Svartr und ich kämpften auf einer Seite mit den Semnonen, Eberswaldern, Ulfhednar und zahlreichen weiteren, auf der Gegenseite waren unter anderem die Army of Jomsborg, Nordelag und Einwic. Am Freitag erwirtschafteten wir ein recht klares zwo-null gegen uns, am Samstag ging es dafür deutlich besser. Wieder zwo-null, aber kein Meter verschenkter Boden, da wurde gefightet was das Zeug hält und auch die taktischen Anweisungen kamen klarer und effektiver. Das war schon was! Die Sonntagsschlacht, die endlich die Wende bringen sollte fiel ja dann leider ins Wasser. Am Samstag gab es auch recht spannende Brückenkämpfe, bei denen sich das Mitmachen sicher auszahlen würde – wenn sie irgendwie angekündigt gewesen wären, hätte sich vielleicht auch heuer schon eine Schar Motivierter gefunden. Freitag und Samstag fand laut Programm außerdem ein Einzelkampfturnier statt, von dem ich allerdings nichts mitbekommen habe.  

Fazit: Wolin ist die Reise wert, selbst wenn sie wie in unserem Fall zwölfhundert Kilometer weit ist – in eine Richtung, wohlgemerkt. Die Menschen, die man dort wiedertrifft und kennenlernt, die Dinge, die man kaufen und essen und trinken kann, die unbezahlbaren Erfahrungen eines Festes außerhalb der skandinavisch-deutsch-österreichischen Organisationsachse... jedenfalls wieder – außer vielleicht bei Starkregen. Autor: Gerwin (Kriegerbund Harier - AUT)

 

 
 
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