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2 - 4 Juli 2010 - Vikingmarked @ Borre (NO) | Print |  E-mail
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Borre Vikingmarked  2. - 4. Juli 2010  (Norwegen)

Auf Wikingerspuren in Norwegen

Am Mittwoch, den 30.6.2010, ging es los: Tina und ich fuhren gemeinsam zum Flughafen Frankfurt Hahn, wo unser Flieger gegen neunzehn Uhr starten sollte. Unser Gepäck hatten wir sorgsam ausgewählt, da Ryanair nur 15kg Freigepäck zulässt, welche mit Helm, Protektoren und Schwertern schnell ausgelastet sind. Letztere haben uns übrigens Sorge bereitet, da in der Satzung von Ryanair vermerkt ist, dass Waffen und deren Nachbildungen nicht mitgenommen werden dürfen. Aber offenbar wurden unsere Schwerter nicht als Waffen betrachtet und wir konnten unser Gepäck problemlos aufgeben.

Der Flug nach Oslo Torp war sehr pünktlich, und wir wurden am Flughafen von zwei Norwegern in Wikingerkleidung herzlich in Empfang genommen. Nachdem wir unser Gepäck verladen hatten, ging es mit dem Auto eine gute Dreiviertelstunde durch eine idyllische Landschaft in der Abendsonne in Richtung Horten.

Horten ist eine Stadtkommune in der Provinz Vestfold, zu der der Nationalpark Borre gehört. Als wir dort eintrafen, war etwa die Hälfte der Zelte und Stände bereits aufgebaut. Der Markt selbst fand zwischen den wikingerzeitlichen Grabhügeln auf der einen und dem Fjord auf der anderen Seite statt, mit Blick aufs Wasser.

Borre

Wir wurden von den Norwegern herzlich begrüßt und richteten uns ein Lager aus geliehenen Decken und Schlafsäcken in ihrem Gruppenzelt ein. Die Stimmung im Lager war ausgesprochen offen und freundlich, und obwohl ich von den Anwesenden niemanden kannte, war es sehr leicht, ins Gespräch zu kommen und Kontakte zu knüpfen. Das lag vor allem an der außerordentlichen Gastfreundschaft der Norweger, die eigentlich immer und überall, wo wir waren, englisch sprachen und uns in ihre Gespräche mit einbezogen. Was das angeht, können sich die meisten deutschen Gruppen, die ich kenne, mal eine große Scheibe abschneiden!

 

Das Wetter sollte uns das ganze Wochenende über gewogen bleiben: tagsüber war es angenehm sonnig, ohne schwül zu sein, und eine frische Brise vom Meer sorgte für stetige Abkühlung. Ein langer Steg lud zum Schwimmen und am Wasser sitzen ein, und das Wasser war kühl, aber nicht eisig.

Der Markt war viel kleiner als wir erwartet hatten, beinahe familiär. Dennoch gab es viele interessante Stände unterschiedlicher Nationalitäten und viel mit Liebe zum Detail geschaffene Handarbeit - vom Schwert über Perlen und Schmuck bis zu Schnitzereien und Truhen, edlen Stoffen und Brettchenborten, Fellen, Keramik und natürlich Naalbinding-Socken und Mützen war so ziemlich alles dabei. Die meisten der norwegischen Stände waren mir unbekannt, doch bei den Polen und Russen gab es durchaus einige vertraute Gesichter, und sogar zwei deutsche Stände waren dabei.

Vom A-Faktor her war das ganze Lager in Ordnung, wenn auch bei weitem nicht so „korrekt" wie auf diversen anderen Veranstaltungen. Ich hatte den Eindruck, dass die Norweger das Ganze einfach etwas gelassener sehen. Dafür gab es bei weitem nicht so viele Fantasy- Touristen wie auf unseren Märkten.

 

Das Museum war erwartungsgemäß klein, da die meisten Borre -Funde sich in Oslo im Museum befinden. Doch es war dafür sehr liebevoll gestaltet, und der Eintritt für Wikinger war selbstverständlich frei. Zu unserer Freude befand sich außerdem gerade eine Wanderausstellung mit slawischem Schmuck vor Ort, und wir durften nach Belieben fotografieren.

Die Grabhügel selbst waren bei Tage eher unspektakulär. Am Samstag Abend jedoch fand nach Marktende ein Fackelzug statt, der uns über die Grabhügel und anschließend zurück an den Fjord führte. In der nächtlichen Dämmerung (es wurde ja nie richtig dunkel) und dem Fackelschein konnte man den Hauch der Vergangenheit fast spüren, und ich war sehr dankbar, dass selbst hier die kurzen zeremoniellen Worte auf englisch übersetzt wurden.

 

Vom Feiern her stehen uns die Norweger in nichts nach - die Abende bzw. Nächte waren fröhlich und ausgelassen, und obwohl der Alkohol in Norwegen fast unbezahlbar ist, gab es immer was zu Trinken. Völlig üblich war es außerdem, dass die Herren der Schöpfung zu allen möglichen Arten von kleinen Wettkämpfen zusammenfanden, allen voran kleine Ringkämpfe, die oben ohne ausgetragen wurden und so lange gingen, bis einer der beiden Kontrahenten durch Abklopfen seine Niederlage eingestand.

Auch tagsüber war diese Art von Spiele bzw. Wettkampf sehr beliebt und auch bei den Zuschauern gern gesehen. Absolut meisterlich in dieser Kunst waren zweifelsohne die Jungs und Mädels der schwedischen Gruppe Telge Glima (www.telgeglima.com), die wir bereits aus Birka kannten und deren Show jedes Mal aufs Neue ein Vergnügen war.

 

 

Was gibt es nun zum Reenactmentfechten in Norwegen zu sagen?

Zunächst mal: zweimal täglich fanden Kampfvorführungen statt, die mit dem eigentlichen Reenactmentfechten gar nichts zu tun hatten. Diese Shows bestanden im Wesentlichen aus Touri-Bespaßen, improvisiertem Theater und ein wenig standup-comedy. Ich persönlich fand das zwar ganz lustig, aber vom kämpferischen Aspekt her nicht weiter interessant. Außer am ersten Tag haben wir an diesen Shows nicht weiter teilgenommen.

Gegen Abend gab es dann ein freies Reenactmentfechten- Training, das sich im Großen und Ganzen nicht sehr von unseren Trainings unterschied. Die Trefferzonen sind eine Mischung aus deutschen und dänischen Regeln (Kurzwaffen nach deutschen Regeln, Langwaffen nach dänischen) und von der Härte her fand ich das Training zwar nicht so hart wie unser Sonntagstraining, aber angemessen. Der einzige wirklich große Unterschied war, dass die Norweger mit dem Begriff „Linie" oder „Liniendisziplin" überhaupt nichts anfangen können. Im Grunde genommen kämpft dort jeder für sich, und unsere Versuche, eine Linie zu formen, scheiterten schon beim Losmarschieren jedes Mal kläglich.

 

Auch wenn dieses Training ganz spaßig war, so war es doch keinesfalls etwas besonderes. Wirklich interessant wurde es für mich erst am Abend darauf, als ich mich mit fünf von den norwegischen Kämpfern zum Huscarl- Training verabredet hatte. Die Stimmung war gut und das Kämpfen hart, aber sehr fair. Wir hatten ziemlich schnell sehr viel Spaß und konnten uns in Doppel - und Einzelduellen richtig austoben.

Kurz darauf stiegen wir auf erweiterte Schutzausrüstung und Vollkontakt um. Jetzt war quasi alles Trefferzone. Obwohl ich noch nie mit Stichen ins Gesicht gekämpft hatte, hatte ich viel Freude daran. Das lag vor allem daran, dass meine Trainingspartner die Kraft in ihren Schlägen und Stichen perfekt dosieren konnten - es war zu jedem Zeitpunkt ein hartes, aber sicheres Kämpfen.

Übrigens war es niemals ein Problem, sich fehlende Ausrüstung zu leihen. Die Norweger haben mich sehr bereitwillig mit Schild und Fechtmaske ausgestattet, und das einzige, das ich hier und da vermisst habe, war mein Gambeson. Nach dem Training beim Schwimmen sahen wir alle ein wenig aus wie...Hyänen. Mit Streifen und Tüpfeln in Tiefblau. Aber das war es wert :-D

 

Was bleibt im Gesamteindruck? Wikingerzelte, die eingebettet zwischen Fjord und uralten Grabhügeln stehen. Ein Gefühl von Gemeinschaft, das auf der gastfreundlichen und offenen Art der Norweger baut. Baconpartys und Met bis in die frühen Morgenstunden. Ein paar unvergessliche Tage, die die Reise nach Norwegen auf jeden Fall wert waren!

Bilder gibt's hier:

http://viewmorepics.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewPicture&friendID=372560824&albumId=1745857

Autor: Sarah/Schneewittchen von den Bucinobanten

 

 

 
 
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