Wir die Tiuteiva sind eine Gruppe von Freunden und Gleichgesinnten, die sich für die germanische Ur und Frühgeschichte unserer Region (Berlin - Brandenburg, Havelland) und da besonders für den hier ansässig gewesenen Stamm der Semnonen interessieren.
Über die Semnonen schreibt der römische Schriftteller und Historiker Tacitus u. a., das sie sich selbst für den ältesten und edelsten Stamm der Germanen halten. Die Semnonen waren jedenfalls identitätsstiftend für den suebischen Stammesverband zu dem unter Anderen die Hermunduren, Markomannen, Quaden, Wangionen und Jutungen zählten. Aus dem suebische Stammesverbund Seinerseits bildeten sich dann später zum überwiegenden Teil die Allemannen heraus. Als Gruppe versuchen wir nach und nach den Stamm der Semnonen, so wie er um die Zeitwende herum ausgesehen haben könnte darzustellen. Da diesbezüglich im Handel fast nichts erhältlich ist, stellen wir nach gründlicher Recherche zum Teil vieles selbst her. Innerhalb dieses Interesses beschäftigen wir uns zum überwiegenden Teil mit historischem Schwertkampf, weswegen man uns wenn man uns trifft, zu Recht hauptsächlich als Schwertkampfgruppe war nimmt. Da es in unserer Region außer uns so gut wie keine „Festlands germanischen“ Gruppen gibt, leben wir unsere vorliebe für den Schwertkampf hauptsächlich in der sehr viel größeren Wikingerszene aus, in der wir mittlerweile viele Freunde und Gefährten gefunden haben. Wir trainieren regelmäßig und nehmen an verschiedenen Schwertkampfveranstaltungen und Freikampfschlachten teil, die meistens parallel zu großen Wikingermärkten stattfinden. Innerhalb Deutschlands währe da z.B. Neustadt Glewe und außerhalb (z.B. in Polen) Wolin zu nennen. Obwohl wir auch an vielen anderen Kampfveranstaltungen teilnehmen sind diese beiden für uns aus verschiedenen Gründen immer noch am interessantesten, denn wenn man es hier schafft sich als Kämpfer einen guten Ruf zu erwerben, kann man darauf schon (natürlich nur im positiven Sinne) stolz sein. Als Tiuteiva sind wir zum Teil aus dem schon etwas länger existierenden Kampfbund des Semnonenbundes e.V., den Tiuwari, der in dieser Ausgabe gesondert vorgestellt wird, als Ergänzung und Weiterentwicklung zu im hervorgegangen, für all jene, die das Sportfechten dieser Ausprägung etwas intensiver betreiben möchten. Obwohl wir Vereinsunabhängig sind bestehen nach wie vor viele Übereinstimmungen und Überschneidungen zu den Tiuwari. Tiuwari bedeutet soviel wie, dem Schwertgott Tius ( Tyr, Irmin ) geweihter Krieger ( Tius- Krieger, = Schwert- Krieger ) oder auch Wahrer des Heiligtums. Tius galt bei den Semnonen, genau wie bei den Sachsen ( Irminsul ), als Hauptgottheit, vermutlich weil kein anderer wie er, Treue, Mut und uneigennützige, der Gemeinschaft geweihte Opferbereitschaft, verkörpert. Er ist der Gott, der über den Thingfrieden wacht (Thing- germ. Volksversammlung). Nach ihm wurde im auch der Dienstag benannt. Der Begriff Tiuteiva wiederum ist eine von mir vorgenommene Ableitung eines der ältesten belegten germanischen Sprach- bzw. Schriftfragmente. Auf dem so genannten Helm von Negau, der aus dem 1.- 2. Jh. v. d. Ztw. stammt, befand sich die in Runen linksläufig geritzte Inschrift "Harigasti teivai", was so viel bedeutet wie, „Dem Heergast geweiht“. Heergast deutet man hier überwiegend als ein Synonym für Wodan, Wotan später Odin. Da wir als Darsteller des einstmals in unser Region ansässigen germanischen Stammes, der Semnonen, Irminonen sind und jener Hauptgott also Irmin bzw. Tius und nicht Wotan ist, wollten wir uns im Kampf auch ihm, Tius dem ursprünglichen Haupt- und späteren Schwertkampfgott weihen. So habe ich aus „Harigasti teivai“, „Tiuteiva“, „die Tius geweihten“ abgeleitet, wohl wissend, das dieser Begriff so nicht belegt ist. Er könnte zu mindestens aber sinngemäß existiert haben, denn neben den Ulfhednar und Berserkern, die sich ihren jeweiligen Krafttieren verschrieben, wird es mit Sicherheit auch Kämpfer gegeben haben die sich im Kampf ihrem Schwert und Hauptgott weihten. Und wenn nicht, heute gibt es sie und zwar mit genau dieser Bedeutung.
Um dies zu verdeutlichen, erlaube ich mir noch ein kleines Gedicht aus meiner Feder anzufügen
Gjallars Ruf
Schalle weit und schalle laut,
dem Feinde zum Schrecken,
dem Freunde vertraut!
Rufe die Götter zum heiligen Fest,
auf das ihr Segen uns stark sein lässt!
Erinnern soll uns der heilige Klang,
an uraltes Wissen und Ahnengesang!
Auf ewig woll’n wir sie behüten,
die göttlichen Lieder, die Sagen und Mythen!
Und sollte Verderben uns wieder bedroh’n,
rufe zusammen, wie einstmals schon!
Rufe Wanen und Asenmacht!
Verkünde den Welten die letzte Schlacht!
Und ist auch bestimmt, das sie untergeh’n,
gereinigt werden sie aufersteh’n.
Verkünde dies allen, deutlich und klar!
Was war, wird wieder sein,
bis es wieder war.
Sven Lorek

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